Mutter und Tochter in einem Park im Sommer
Familienfotografie | Kinderfotografie

Warum Familienfotografie auch jetzt aktuell ist

Familienfotografie – ist sie überhaupt noch zeitgemäß? Ich schreibe diese Zeilen an einem sonnigen Oktobervormittag in Berlin 2020. Laut der Statistik haben 57,7 Millionen Menschen in Deutschland ein Smartphone und einige digitale und analoge Kameras sicherlich auch noch. Man kann davon ausgehen, dass jeder Haushalt in Deutschland mindestens eine Kamera besitzt und dass jeder bei Bedarf seine eigene Familie selbst fotografieren könnte. Wie ist es also mit der Familienfotografie: ist dieses Genre überholt?

Im Laufe der Zeit wurde es immer einfacher, Bilder zu erstellen. Mit der Einführung der digitalen Fotografie ist der Weg zum fertigen Bild noch kürzer geworden, da die Dunkelkammer entfallen ist. Und mit der Smartphonerevolution des letzten Jahrzehnts hat fast jeder mindestens eine (oft recht leistungsfähige) Kamera. “Ich kam. Ich sah. Ich fotografierte.” – stimmt das wirklich?

Wenn man darüber länger nachdenkt, wird klar, dass die Technik allein nicht ausschlaggebend ist, selbst wenn die Marketingbotschaften aller möglichen Kamerahersteller das Gegenteil behaupten. Denn bei der Fotografie geht es nicht primär um die Technik. Ein gutes Buch ist auch nicht deswegen gut, weil der Schriftsteller einen sehr guten Computer besaß.

Nach wie vor ist Familienfotografie ein sehr wichtiges Genre und es gibt mehrere Gründe dafür, sich von einem Familienfotograf fotografieren zu lassen.

(1) Man ist mit seiner Familie zusammen im Bild, wenn man fotografiert wird.

Fast jeden Tag fotografiere ich mein Kind. Wenn ich diese Bilder später anschaue, kommt es mir so vor, als ob meine Tochter eine Kindheit ohne ihre Mutter verbringen würde. So geht es wahrscheinlich vielen, welche zu Familiefotografen der eigenen Familien ernannt wurden. 

Aber ist es nicht traurig, dass sie selbst nur gelegentlich auf wenigen, schnell gemachten Bildern auftauchen? Und so ist mein erstes Argument für einen Familienfotografen: wenn nur innerhalb der eigenen Familie fotografiert wird, ist die Geschichte nie komplett.

Aber könnte man das vielleicht durch ein Selbstauslöserbild beheben? Nicht so richtig. 

(2) Bilder von einer längeren Fotosession sind anders, als ein Selfie oder ein Selbstauslöserbild. Fotografie ist kein Ergebnis eines technischen Ablaufs.

Um die natürliche, lebensnahe Bildwirkung zu erreichen, braucht man an der Seite der Kamera einen Menschen und keinen Timer. Der Timer kann nicht dafür sorgen, dass ihr entspannt seid und die Kamera vergesst. Er kann auch nicht entscheiden, wann genau fotografiert werden soll. In der Fotografie braucht der Menschen einen Gegenüber, wie auch oft sonst im Leben.

(3) Ein fremder Blick kann Wunder wirken

Kommt es dir vertraut vor? Du bist unterwegs in einem neuen Ort. Alles ist so neu und spannend, dass du immer wieder etwas entdeckst.

Zu Hause geht es dir aber meistens anders. Die täglichen Aufgaben fallen viel mehr ins Gewicht und das bloße Erscheinungsbild rückt in den Hintergrund. Das kann man auch wissenschaftlich erklären: unser Gehirn gewöhnt sich an die vertraute Umgebung und blendet sie aus, um für andere Aktivitäten Raum zu schaffen. Deswegen ist es sehr hilfreich, einen anderen Menschen einzuladen, welcher deinen Alltag für dich fotografiert. Durch mehr Abstand sieht man das, was in der Nähe ausgeblendet bleibt. Und diese – von anderen gesehenen – Details tragen wiederum dazu bei, dass du sie im eigenen Leben wieder erkennst und dich daran später erinnest.

Das ist auch das Ziel der Familienfotografie – Momente aus einer bestimmten Zeit zu merken und festzuhalten, um das alltägliche Leben präsenter und sichtbarer zu machen. 

Für jetzt und auch für immer.

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