Ein Fotobuch, alte schwarzweisse Fotos, eine Festplatte und ein USB Stick

Ich war mit einem Freund verabredet und habe vorgeschlagen, ihn zu fotografieren. 

„Ich bringe meine Kamera mit, lass uns ein paar Portraits von dir machen?“
„Natürlich, machen wir das“.

Ich wusste, dass er gerne in einem Wald neben unserem Treffpunkt spazieren geht, und ich hatte vor, ihn dort zu fotografieren. Ich überlegte mir, welche Orte in dem Wald ein geeignetes Licht haben sollten, alles lief in meinen Gedanken perfekt ab.

Als wir uns dann schließlich trafen, lief alles ganz anders ab. Wir hatten uns einiges für den Tag vorgenommen und letztendlich sah so aus, als ob ein Spaziergang im Wald dazu nicht passen würde.

„Fotografiere mich einfach schnell hier und dann machen wir los“, sagte er.

Ich fühlte mich unwohl, wollte aber nicht darauf bestehen und erklären, warum ein schnell gemachtes Foto an einem zufälligen Ort nicht dasselbe ist wie eine durchdachte Aufnahme an einem Ort, welcher eine Verbindung zur abgebildeten Person hat. Ich schoß ein paar mittelmäßige Motive und beschloß, die wirkliche Arbeit auf das nächste Mal zu verschieben. Ich wollte auch bis dahin eine gewisse Vorarbeit leisten und meinem Freund erklären, warum man sich für gute Fotos Zeit nehmen soll.

Es gab leider kein nächstes Mal. An einem Oktobermorgen bekam ich eine Nachricht, dass er gestorben war. Ich wurde auch gebeten, Fotos für die Trauerfeier zu senden, falls ich welche habe. Leider hatte ich die Bilder, welche etwas über ihn sagen würden, nie gemacht.

Das gab mir zum Nachdenken, und ich sah Fotografie in einem anderen Licht.

Sehr viele Menschen mögen nicht fotografiert werden und lassen sich nicht gerne fotografieren. Oder sagen, dass sie es machen werden, wenn sie sich endlich im Spiegel gefallen, oder wenn das Leben nicht so stressig sein wird.

Einmal machte ich Fotos für einen Mann. „Ich brauche für eine Singlebörse Bilder, welche etwas von mir zeigen würden“, sagte er zu mir. Und erzählte, er hatte zuerst auf seinem Handy nach passenden Bildern gesucht und hat keins gefunden. Eb bat Freunde, ihm die Bilder von ihm zuzusenden, und wurde auch dort nicht fündig.

Eine Menge von zufälligen Fotos, welche über uns nichts sagen, dazu noch Passbilder und Bewerbungsbilder – es ist gut möglich, dass nur solche Bilder nach einem langen Abschnitt unseres Lebens bleiben, wenn wir uns darum nicht kümmern.

Aber ist das wirklich alles, was wir der Welt über uns sagen wollen?

Unsere Fotos sind eine Erzählung über uns heute – für unsere Angehörigen und für uns selbst in der Zukunft. Und das ist unglaublich viel wert.

Habt ihr Interesse an einem Familienfotoshooting? Hier gibt es mehr Informationen dazu.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.